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Schwalbe NEU

Wartburg

 

  Sie wurde um 1067 von Ludwig dem Springer gegründet und gehört seit 1999 zum Weltkulturerbe. Einem humorvollen Mythos nach erwarb das Schloss seinen Namen, als sein Begründer den Berg, auf dem das Schloss heute sitzt, zum ersten Mal sah. Vom Ort entzückt schrie er angeblich auf: „Wart’, Berg – du sollst mir eine Burg tragen!“

  Die heutige Wartburg ist größtenteils im 19. Jahrhundert unter Einbeziehung weniger erhaltener Teile neu gebaut worden. Das heutige Erscheinungsbild der Wartburg und ihres Landschaftsparks geht auf den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach zurück.

  Ludwig der Springer († 1123) verlegte den Stammsitz seines Hauses auf die Wartburg. Die dominante Lage des Burgberges sowie der Name lassen vermuten, dass bereits vor der Gründung der Feudalburg eine Befestigung oder ein Beobachtungspunkt auf dem Berg bestand. Von der ältesten Burg konnten bisher noch keine Überreste gefunden werden. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Burg 1080.

  Wie kaum eine andere Burg Deutschlands ist die Wartburg mit der Geschichte Deutschlands verbunden. 1211 bis 1227 lebte die später heilig gesprochene Elisabeth von Thüringen auf der Burg. 1521/22 hielt sich der Reformator Martin Luther als „Junker Jörg“ hier versteckt und übersetzte während dieser Zeit das Neue Testament der Bibel in nur 11 Wochen ins Deutsche. Johann Wolfgang von Goethe weilte mehrfach hier, erstmals im Jahr 1777. Am 18. Oktober 1817 fand auf der Burg mit dem ersten Wartburgfest das Burschenschaftstreffen der deutschen Studenten statt. Das zweite Wartburgfest wurde im Revolutionsjahr 1848 veranstaltet.

  So ist es nicht verwunderlich, dass die Burg bereits im 19. Jahrhundert als nationales Denkmal galt.

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Martin Luther


  Der Geächtete wurde am Abend des 4. Mai 1521 auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein bei Bad Liebenstein von Friedrichs Soldaten heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen.

  Auf der Wartburg blieb Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Als Vorlage diente ihm ein Exemplar der griechischen Bibel des Erasmus von Rotterdam, zusammen mit dessen eigener lateinischen Übersetzung sowie der Vulgata. Luthers Bibelübersetzung erschien ab September 1522. 1523 erschien auch Luthers erste Teilübersetzung des Alten Testaments; beide zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass bis zu einem Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch besaßen. 1534 übersetzte Luther auch das übrige Alte Testament aus damals wiederentdeckten Handschriften der Masoreten; beide Testamente zusammen bilden die berühmte Lutherbibel.

  Damit machte Luther biblische Inhalte auch dem einfachen Volk zugänglich. Er wollte „dem Volk aufs Maul schauen“ und verwendete daher eine kräftige, bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche Ausdrucksweise.

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Neue Hütte

  „Ich nehme Veranlassung hierdurch ausdrücklich auszusprechen, daß es meinen Wünschen zuwiderläuft, wenn Zechgelage der Arbeiter auf der Hütte stattfinden, selbst wenn dies erst nach der Schicht der Fall sein sollte.

  Es unterliegt keinem Zweifel und ist leicht zu erkennen, daß dadurch die Ordnung und die gedeihliche Arbeit auf dem Werke leidet, welche nach Thunlichkeit zu fördern am meisten dann Pflicht des Aufsichtführenden ist, wenn ich selbst verhindert bin am Platze zu erscheinen.“

  Quittung von einer Köhlerei aus Schnellbach/Kreis Schmalkalden:

  „Hundert Thaler edict als Vorschuß auf die zu liefern übernommenen 150 bis 200. Stutz rein buchen Kohlen a’31gr. Frei auf die Happelshütte, von Herrn Bleymüller empfangen zu haben, bescheinigen wir hierdurch.“

  Schmalkalden am 24. März 1835

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Haus Hoyer

 

  Das haus der Familie Närber/Hoyer wurde 1604 im nordwestlichen Ortsteil von Gügleben erbaut. Die stattliche Größe und das teils aufwendige Fachwerk des Wohnstallhauses sollten Ausdruck der Wohlhabenheit seiner Besitzer sein.

  Rund hundert Jahre nach der Erbauung, entsprach das Haus in einigen Bereichen nicht mehr den Vorstellungen seiner Besitzer. 1718 wurde die Grundfläche der „Schwarzen Küche“ um die Hälfte verkleinert und eine Zwischendecke eingezogen.

  Ein weiterer Umbau fand um 1849 statt. Aus Anlass der Hofübergabe an den Erben Johann Heinrich Näther und sein Frau Johanne Justine Louise wurden neue Türen und größere Fenster eingebaut.

  Während der letzten hundert Jahre seiner Nutzung erfolgten nur kleinere Veränderungen am Haus. Eine entscheidende Neuerung erfolgte in den 1920er Jahren: Elektrizität wurde in das damals schon über 300 Jahre alte Haus gelegt.

  Das Haus blieb von 1967 an unbewohnt.

  Seit 1958 stand es unter Denkmalschutz, wurde jedoch wegen Baufälligkeit einige Jahre später zum Abriss freigegeben. Seit 1979 ist es im Besitz des Thüringer Feilichtmuseums Hohenfelden. 1983 und 1986/87 wurde das Haus vermessen, baugeschichtlich erforscht und dokumentiert.

  Am 5. Juni 2004 konnte es, 400 Jahre nach seiner Erbauung, anlässlich des 25jährigen Gründungsjubiläums des Freilichtmuseums der Öffentlichkeit übergeben werden.

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Simson

 

  Basis des Unternehmens war anfangs ein Stahlhammer, der 1841 von Andreas Bauer gegründet und von den Brüdern Löb und Moses Simson im Jahre 1854 zu einem Drittel angekauft wurde. 1856 folgte daraus die Gründung der Firma Simson & Co.

  Seit 1866 belieferte Simson, die preußische Armee mit Gewehren.

  Ab 1896 erweiterte Simson seine Produktpalette im zivilen Bereich und stellte die ersten Fahrräder, die englischen Vorbildern ähnelten, her. Die Firma Simson wurde bald zu einem der großen Fahrradproduzenten.

  1907 begann die Entwicklung von Personenkraftwagen, die 1908 zur Konstruktion eines unvollkommenen Kleinwagens führte. Erst nach dem Eintritt eines erfahrenen Konstrukteurs gelang 1912 mit dem Simson A der erste produktionsreife Kraftwagen.

  Wurden 1855 gerade 20 Mitarbeiter beschäftigt, so gab es 1904 schon 1200 und 1918 sogar 3500 Beschäftige beim größten Arbeitgeber Suhls

  Simson konnte am 25. August 1925 aufgrund des Friedensvertrags von Versailles mit der Reichswehr einen Monopolvertrag zur Lieferung von leichten Maschinengewehren abschließen. Daneben begann das Unternehmen 1924 die Serienproduktion von Automobilen der Luxusklasse, insbesondere des Modells Simson Supra.

  Am 1. Mai 1952 wurde das Werk als VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl ein volkseigener Betrieb in der Industrieverwaltung Fahrzeugbau der DDR, der späteren IFA - Industrieverband Fahrzeugbau der DDR, eingegliedert. Produziert wurden neben der AWO 425 (von da an als Simson 425 bezeichnet) auch Mopeds, Mokicks und Roller.

  Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Simson, das von 1955 bis 1990 über 5 Millionen Kleinkrafträder produziert hatte, von der Treuhandanstalt abgewickelt, aber sofort wieder neu gegründet als Suhler Fahrzeugwerk GmbH.

  Nach mehreren Beinahe-Insolvenzen musste die Firma am 28. Juni 2002 endgültig Insolvenz anmelden; der Firmenbesitz wurde im Mai 2003 versteigert.

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Kumpeltod und Schneeberger Krankheit

 

  Die offiziellen DDR-Statistiken sprechen eine nüchterne Sprache: 5000 anerkannte Fälle von Lungenkrebs und 15000 anerkannte Fälle von Staublunge bis 1989.Wieviele nicht als berufsbedingt anerkannte Krankheitsfälle es im ehemaligen Uranabbaugebiet in Erzgebirge gibt, weiß niemand. Die Stasi hat ganze Arbeit geleistet.

  Das finsterste Kapitel in der Geschichte des Bergbaus in Erzgebirge ist zwischen 1946 und 1989 geschrieben worden und trägt die Überschrift „Wismut AG“.

  Als die USA in Juli 1945 in der Wüste von New Mexiko die erste Atombombe detonieren lassen , wird der Sowjetunion klar, das sie dieses Rennen verloren hat. Wie hätte sie es auch gewinnen können – 97% der Weltproduktion des Bombenrohstoffs Uran werden zu dieser Zeit von den Westalliierten kontrolliert. Da trifft es sich gut, das in der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland, hauptsächlich um Schneeberg, Aue, Johangeorgenstadt und Schwarzenberg, reiche Uranerzvorkommen lagern und Deutschland – auch die Genossen von der SED – horrende Reparationszahlungen zu leisten haben.

  Die Wismut AG nominell eine deutsch-sowjetische Gesellschaft, faktisch völlig unter sowjetischer Kontrolle, wird geleitet vom General der Staatssicherheit Michail Mitrofanowitsch Malzew, der zwar keine Ahnung vom Bergbau hat, aber direkt von seinem Posten als Kommandant des sibirischen Straflagers Workuta ins Erzgebirge kommt.

  Getreu dem Motto: „Wir brauchen Erz, Genossen, keine Moral!“ treibt er ein Heer von Arbeitssklaven zusammen. Altnazis, Kriminelle, Kriegsgefangene oder ganz normale Menschen, die von der Straße weg auf Lasterwagen gepfercht und in die Stollen geschickt werden.

  Die Arbeitsbedingungen sind mörderisch. Mit Hammer und Meißel, später mit Trockenbohrer, wird das Erz gebrochen. Der Staub dringt in die Lungen, das beim Abbau von Uranerz entweichende Radon wird eingeatmet, die Erzbrocken mit bloßen Händen angefasst, und wer Durst hat, trinkt schon mal Grubenwasser von den Wänden. Die Kumpel erfahren keine Silbe über die Gefährlichkeit ihrer Arbeit. Gipfel des Zynismus: Jeder erhält monatlich zwei Liter Schnaps, der angeblich gegen Staublunge helfen soll. Unter den Bergleuten heißt die Marke „Kumpeltod“.

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Vom Bergmann zum Spielzeugproduzenten

  Noch heute ist die Vorstellung verbreitet, dass der Seiffener Bergmann in seiner Freizeit geschnitzt, gebastelt oder gedrechselt habe und daraus die Spielwarenherstellung entstanden sei. Tatsächlich jedoch war der Übergang von Zinnbergbau zum Holzhandwerk (und später zur Spielzeugherstellung) keine Angelegenheit von Muße und Feizeit, sonder eine Existenzfrage. Immer dann, wenn der Bergbau ins Stocken geriet, nahm die Anzahl der Drechsler zu.

  Mit dem weiteren Verfall des Bergbaues wurde das Drechseln zu entscheidenden Beruf. Als produktive Technologie ist es bis heute die vorherrschende Bearbeitungsform im Seiffener Gebiet.

  Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurden neben Gebrauchsgütern zunehmend Spielzeuge gefertigt.

  Das Geheimnis des Aufschwungs beruht vor allem darin, dass hier ein durch den Bergbau seit Jahrhunderten geprägter Menschenschlag am Werk war; geistig rührig, werklich geschickt, entschlusskräftig, anpassungsfähig, aber auch opferbereit und zäh. Seiffens Entwicklung war kein Einzelfall. Auch andere Dörfer, z. B. der Bergort Probershau, nahmen eine ähnliche Entwicklung.

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Bon Voyage – Gute Reise

 

  Die Geschichte des Reisens ist die Geschichte der Menschheit, ist ein Stück Weltgeschichte. Der Mensch reiste, ob zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Wagen, ohne Wege, auf einem gut ausgebauten Straßennetz im Römischen Reich oder unter miserablen Umstände im Mittelalter. Die Gründe für eine Reise waren vielfältig, ob um zu Handeln, sich zu bilden, als Entdeckungs- oder Eroberungsfahrt oder einfach aus Vergnügen.

  Reisen auf den Straßen des 16. Jh.

  Ohne Gefahr zu laufen, stecken zu bleiben oder umzukippen, konnten die Kutschen und Wagen nur in den Städten verkehren, obwohl auch dort nur die wichtigsten Straßen befestigt waren. Die Landstraßen dagegen waren sehr verwahrlost, es wurden nicht einmal große Löcher und Gruben geebnet.

  Das 17. Jh. brachte zwar Verbesserung im Straßenbau, die Einrichtung von Postlinien und einige andere Erleichterungen, doch die sehr langen Reisezeiten bei Geschwindigkeiten von 6-7 km/h blieben bestehen. Man war oft tagelang unterwegs.

  So berichtete ein Bürger über eine Reise 1721 von Schwäbisch-Gmünd ins 40 Kilometer entfernte Ellwangen:

  Am Montagmorgen verließ er die Stadt. Noch bevor er eine Wegstunde zurückgelegt hatte, blieb das Wägelchen im Kote stecken, so daß die ganze Gesellschaft ausstieg und „ bis übers Knie im Dreck patschend“ den Wagen schieben musste. In Böbingen fuhr der Knecht „mit dem linken Vorderrad unversehendlich in ein Mistloch, daß das Wägelchen überkippte und die Frau Eheliebste sich Nase und Backen an den Planreifen jämmerlich zerschund“. VonMögglingen bis Aalen musste man drei Pferd als Vorspann nehmen. Doch brauchte man für diese Strecke 6 Stunden. Am nächsten Morgen fiel der Wagen um, so daß alle „garstig beschmutzt wurden, die Magd die rechte Achsel auseinanderbrach und der Knecht sich die Hand zerstauchte“,weiterhin war die Achse gebrochen und ein Pferd war am linken Vorderfuß „vollständig gelähmt worden“. Man musste sich einen anderen Wagen mieten und kam am Mittwochabend „ganz erbärmlich zusammengestaucht“ an.

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Blaues Wunder

 

  „Blaues Wunder“ ist die volksmundliche Bezeichnung der Loschwitzer Brücke in Dresden (bis 1912: „König-Albert-Brücke“).

  Das 1893 fertiggestellteBlaue Wunder ist vom Entwurf her die zweitälteste der Dresdner Elbbrücken (nach der 1877 errichteten Albertbrücke), von der Substanz her ist es sogar die älteste, da es als einzige von ihnen vor einer Kriegszerstörung bewahrt werden konnte.

  In der Entstehungszeit war die Brücke eine der ersten dieser Spannweite aus Metall, welche keine Strompfeiler in der Elbe benötigte – unter anderem deshalb wurde sie als Wunder bezeichnet. Der Name „Blaues Wunder“ ist auch auf die hellblaue Farbe der Brücke zurückzuführen. Bis heute hält sich das Gerücht, die Brücke sei ursprünglich grün (aus den Mischfarben Kobaltblau und Chromgelb) angestrichen gewesen, und erst durch Witterungseinflüsse (andere Quellen sprechen nur von der Sonneneinstrahlung) hätten sich die Gelbanteile verflüchtigt, und nur das Blau sei übrig geblieben. Es gibt jedoch eine Reihe journalistischer und handfester Belege für die ursprüngliche Farbe Blau. So gibt es Artikel in Zeitungen aus der Zeit der Erbauung und eine Münzgedenkprägung anlässlich der Einweihung der Brücke, in welchen die Brücke schon als „Blaues Wunder“ bezeichnet wird.

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Lockheed F-104 Starfighter

 

  Die Lockheed F-104Starfighter war ein US-amerikanisches Kampfflugzeug, das ab 1954 von Lockheed in großer Stückzahl gebaut und in den Luftstreitkräften mehrerer NATO-Staaten eingesetzt wurde.

  Außer unter seinem offiziellen Namen wurde der Starfighter auch unter anderem als Witwenmacher, Erdnagel, fliegender Sarg, oder Sargfighter bekannt, was auf seine hohe Unfallquote anspielte.

  Um die geplante Flugleistung zu erreichen, entwickelten die Lockheed-Ingenieure für die Tragflächen des Starfighter ein radikales neues Konzept: Sie waren so dünn wie möglich ausgelegt und relativ kurz, um den Luftwiderstand im Überschallbereich zu vermindern. Eine solche Auslegung reduziert die Änderungsrate der Luftströmung über die Tragfläche und vermindert den Wellenwiderstand, der die Schallmauer verursacht.

  Die Kanten der Tragflächen waren so scharf, dass das Bodenpersonal nach der Landung als Erstes Gummileisten an den Flügeln anbringen musste, damit sich niemand verletzte.

  Auch der lange, schlanke Rumpf des Starfighter trug zu seiner hohen Leistung im Überschallbereich bei. Aufgrund der geringen internen Treibstoffkapazität hatte das Flugzeug ohne Außentanks jedoch nur eine beschränkte Reichweite.

  Die Bundeswehr setzte von Sommer 1960 bis zur Ausmusterung am 22. Mai 1991 insgesamt 916 Starfighter ein; davon gingen knapp ein Drittel, nämlich 292 Maschinen, durch Unfälle verloren. Allein von 1961 bis 1964 waren es 64 Maschinen. Bis 1991 verunglückten 116 deutsche Piloten tödlich.

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Urian

 

  Die bekannteste ostdeutsche "Abhörstation", wahrscheinlich die bekannteste in Deutschland überhaupt, stand auf Norddeutschlands höchstem Berg (1142m). Nachdem die US-Truppen den Brocken 1945 erobert hatten, wurde er am 28. April 1947 in die Verwaltung der Roten Armee übergeben. Seitdem waren hier sowjetische Truppen stationiert. Zuerst befassten diese sich nur mit Sicherungsaufgaben, ab 1955 war dann die Fernmeldeaufklärungsbrigade 82 auf der Kuppe präsent.

  Mit dem Bau der Mauer im August 1961 war es dann mit jeglichem Tourismus vorbei. Der Brocken und selbst der kleine Ort Schierke wurden nun zum Sperrgebiet. Ab jetzt hatte die sowjetische Einheit eine Stärke von rund hundert Mann und war dem sowjetischen Geheimdienst GRU direkt unterstellt. Informationen über Militärbewegungen in ganz Westeuropa wurden vom hier aus gesammelt, aufgezeichnet und weitergeleitet.

  Aber natürlich hatte auch die Hauptabteilung III des MfS, zuständig für die Funk- und Fernmelde-Aufklärung, hier ein "Ohr" in den Westen gerichtet. Abgehört wurden u.a. B- und C-Netz (Autotelefon), der Polizei-, BGS- und Militär-Funkverkehr in der BRD und Richtfunkstrecken nach Berlin, zwischen München und Hamburg/Hannover, zwischen Hamburg und Bremen und vieles mehr.

  Die Ergebnisse der teilweise automatischen Auswertung wurden per Kabel direkt nach Magdeburg und Berlin weitergeleitet. Zuletzt zwischen einundzwanzig und sechsundzwanzig Stasi-Mitarbeiter taten im Dreischicht-Betrieb in der Führungsstelle mit dem Decknamen "Urian" ihren Dienst und lauschten bis zu 400km in den "Westen" hinein.

  Aufgrund der eigenwilligen Form des 1986 errichteten Hauptgebäudes bekam dieses prompt einen ebensolchen Namen: Stasi-Moschee. Neben dieser von den Filmstudios in Babelsberg hergestellten Kuppel aus glasfaserverstärktem Polyesterharz gab es fünf weitere Radome und mehrere Masten, zum Teil mit feinster Technik aus dem "kapitalistischen Ausland" bestückt. Offenbar traute man der eigenen Technik nicht so recht über den Weg. Die Russen mussten dagegen mit mobiler Standard-Militärtechnik auskommen - sie fuhren mit den Funk-Fahrzeugen einfach in die Kuppeln hinein.

  Am 3.Dezember 1989 erzwangen Demonstranten den Zugang zur bis dahin komplett gesperrten Kuppe. Die russischen Soldaten waren freundlich und versorgten die "Besucher" mit heißem Tee. Erst im Mai 1991 wurde mit dem Abriss der Mauer begonnen, die den gesamten Gipfelbereich umgab, 1992 fiel der letzte Wachturm des Geländes und erst Ende März 1994 räumte die Rote Armee ihre Gebäude.

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