Die Reisen des Karl-H. Mohr

Letzte Bearbeitung:

03.01.2011

Duisburg

  Unerhofft kann ich am Sonntag Nachmittag den 5.8.2007 noch eine Tour unternehmen. Heute Abend ist wegen der Ferien kein Tanztraining, und das Reitturnier am Morgen ist früh zuende. Nein, - ich sitze nicht auf dem Pferd, ich schaue nur zu, und Fotografiere.

  In einem Reiseführer vom Ruhrgebiet habe ich über den Landschaftspark in Duisburg gelesen. Eine 200 Hektar große Industriebrache, die im Laufe von zehn Jahren zu einem Multifunktionspark umgestaltet wurde. Die Beschreibung im Reiseführer erweckt sofort meine Neugierde, wobei Industrie und Technik sowieso meine Dinge sind, was man vielleicht auch an den Zielen und Berichten sieht. Ich mag das halt.

Irgendwo auf einer kleinen Straße zwischen den Dörfer am linken Niederrhein

   Die Strecke die ich ausgesucht habe geht bis Moers „über die Dörfer“. Nicht ohne Grund, da mir schon klar ist, das Duisburg nicht unbedingt das Ideale Schwalbenrevier ist. Nichts gegen Duisburg, aber ich würde ja auch keine Schwalbentour durch Mönchengladbach planen. Also, die Anfahrt über Neersen, Süchteln, Vorst, Tönisvorst, St. Tönis, Hüls bis nach Kapellen ist wunderbar, es geht über kleine Nebenstraßen an abgeerntete Felder vorbei. Der Autoverkehr hält sich in Grenzen, eine Strecke zum „Seelebaumelnlassen“. Ab Moers wird es, wie erwachtet Innerstädtisch, wobei mir die Rheinquerung über die Friedrich-Ebert-Brücke schon von meiner Binnenschifffahrtmuseums-Tour bekannt ist. Diesmal mache ich aber eine Photopause, weil mir das Bauwerk gefällt.

Auffahrt zur Friedrich-Ebert-Brücke die über den Rhein nach Duisburg führt

   Weiter geht es durch Duisburg, wobei mir das GPS wieder hervorragende Dienste erweist, obwohl es nicht mit einem normalen Navigationssystem, wie man sie heute überall kaufen kann, zu vergleichen ist. Es gilt nicht einfach den Zielort einzugeben, sondern man muss (ich bin eher der Meinung, man darf) sich die Tour anhand von selbsterstellten Wegpunkten zusammenbauen. Mir macht das unheimlich viel Spaß. Ich fahre die Tour am PC schon in Gedanken ab, und versuche auch schon mir die Bilder vorzustellen, die während der Fahrt gemacht werden könnten. Wobei das natürlich nicht immer funktioniert, also quasi nie.

Schwalbe binde ich vorsichtshalber mit einem Schloss an die Infotafel des Landschaftsparks fest

  Ich parke Schwalbe an der Infotafel des Parks. Ich habe ihr ein Topcase spendiert indem ich ein vernünftiges Schloss mitführe um sie festzubinden. Bei diesen Temperaturen ist es mit der Motorradjacke recht warm hier rumzulaufen. Trotzdem bin ich sofort fasziniert von diesem Park. Überall stehen alte Industriebauten, und man jagt von einem Fotomotiv zum anderen. Zum Glück ist das ja mit der Digitalen Fotografie kein Problem mehr.

  Ich gehe am Gasometer vorbei, das heute als Tauchbecken genutzt wird, in dem verschiedenes zum Erkunden versenkt wurde. Sofort kommen mir meine alten Taucherlebnisse wieder in Erinnerung. Aber die vielen Treppenstufen nach oben, halten mich von einer näheren Besichtigung ab.

  Weiter, an den Anfang des 20. Jahrhundert erbauten Gebläsehallen vorbei, in denen der sogenannte Hochofenwind erzeugt wurde. Damit wurden im Hochofen erst die hohen Temperaturen zur Erschmelzung des Roheisen erreicht. Heute wachsen Palmen neben den Gebäuden, was eine ganz besondere Atmosphäre verbreitet.

Die Gebläsehallen mit südlichem Flair

  Weiter geht es durch den Park bis zum ehemaligen Hochofen, und komme mir langsam selber vor wie ein Hochofen. Könnte ich doch nur meine Jacke wegschmeißen. Stattdessen kommt mir die Idee das Schwalbe mit auf den Photos der Industriebauten sein müsste. Allein der Gedanke lässt den Schweiß noch schneller fließen, aber ich bin schon Unterwegs zu Schwalbe. Logischerweise sind Motorfahrzeuge im Landschaftspark nicht erlaubt, genaugenommen sind sie sogar verboten. Also bleibt mir nichts anderes übrig als Schwalbe zu den Motiven zu schieben, was meine Schweißdrüsen zur Höchstleistung antreibt.

Nachdem ich Schwalbe, mit viel Schweiß, in den Park geschoben habe, kann ich auch ein paar Photos machen

  Aber niemand schimpft mit mir, das ich ein Motorfahrzeug in den Park geschoben habe. Es wird zwar Neugierig beäugt was ich hier so mache, aber ich kann in Ruhe meine Bilder machen. Beim rausschieben komme ich an einem Kiosk vorbei mit schönen schattigen Bänken vor der Türe. Ich nehme mir ein Weizenbier, Alkoholfrei natürlich, - natürlich. Die Jacke hängt an Schwalbe, und ich kann endlich ein wenig ausdünsten.

Schwalbe vor dem Hochofen. Danach kann ich endlich meine Jacke ausziehen, und ein Weizenbier genießen. Alkoholfrei - natürlich

  Schon während der hinfahrt spukt mir ein Photo im Kopf herum, konnte aber leider nicht das richtige Motiv entdecken. Jetzt, bei der Rückfahrt sehe ich endlich was ich brauche. Diese riesigen gerollten Strohballen. Und das beste daran, das ich Schwalbe auch auf Feld bekommen, ohne irgendwelche Gräben, oder Zäune überwinden zu müssen. Jetzt würde nur noch ein Sonnenuntergang fehlen.

Mitten auf dem Acker geht mein Handy. Inge ruft an, und fragt:

  „Wo bist Du?“

  „Ich stehe bei Kappellen, in der Nähe von Moers auf einem Acker und fotografiere die Schwalbe.“

So ganz glaubt Sie mir wohl nicht.

Schwalbe mitten auf der Ackerwiese. Naturphoto pur

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