Die Reisen des Karl-H. Mohr

Letzte Bearbeitung:

03.01.2011

Hallo ich bin's

Hallo zusammen,

  mein Fahrer, und Schwalbenflieger meinte ich solle meine Geschichte auch mal erzählen, damit ihr wisst wer auf den Photos zu sehen ist, und wo ich so herkomme.

  Geboren wurde ich in Suhl, das liegt im Thüringer Wald, und ist eine hügelige Gegend. Nach kurzer Zeit kam ich im Jahr 1980 nach Magdeburg, und musste lange Jahre meinen Fahrer jeden Morgen zur Arbeit fahren. Das war aber so was von anstrengend. Bei Wind und Wetter, ob Sommer oder Winter war dem Willi, so hieß mein damaliger Fahrer völlig egal. Er musste halt zur Arbeit.

  Irgendwann wurde ich in einem Schuppen abgestellt, und durfte nicht mehr ans Tagelicht. Nicht nur das es dort dunkel war, auch das Dach war nicht dicht, so das mein Blechkleid langsam rostig wurde. Die Luft aus meinen Reifen war schon lange raus.

Ich fühlte mich hundeelend.

  Es dauerte viele Jahre; man schrieb das Jahr 1992; bis das Tor zum Schuppen aufging, und mich eine älterer Herr begutachtet. Erst wusste ich damit ja nichts anzufangen. Er begutachtete meinen Motor, sah mir unters Blechkleid, prüfte hier, drückte dort. Aber wie sah ich denn aus, total verstaubt und vergammelt.

Ich schämte mich so.

  Aber immerhin nahm mich der ältere Herr in einem Transporter mit zu sich nach Hause. Ich kam in eine luftige Garage mit einem Fenster und einem großen Tor. Ganz schnell hat der Horst mein Blechkleid abgeschraubt, was mir doch ziemlich peinlich war, so nackig in der Garage zu stehen. Ich war dort nämlich nicht alleine, es stand noch Max mit darin.

  Max hieß mit Nachnahmen NSU, und sah wirklich schnuckelig aus. Sein Blech war in ganz tollen Farben lackiert und er lief wie eine Nähmaschine so sanft. Ich war ein klein wenig verliebt. Er erzählte mir das der Horst ihn erst wieder so hübsch gemacht hätte, nachdem er, wie ich, jahrelang in einem Schuppen verbracht hat.

  Viele Teile an mir hat der Horst neu gemacht, oder wieder in Ordnung gebracht. Auch mein Blechkleid hat er wieder in frischem Glanz angeschraubt, zwar nicht in der Farbe von frührer, aber in einem wunderschönen dunklen Blau. Mein Motor lief auch wieder, obwohl er nur das Öl gewechselt, und eine neue Zündkerze eingeschraubt hatte.

Kann es einer Schwalbe besser gehen?

  Aber wohl viel Licht, da ist auch Schatten. Horst wurde Krank. Nachdem er aus dem Krankenhaus kam sagte seine Frau und die Tochter, er dürfe kein Moped mehr fahren, und solle uns beide Verkaufen.

  Max war zuerst weg. Wieder stand ich alleine in einer Garage, wenn auch diesmal mit Fenster, wodurch ich die Asiatischen Plastikroller anhören musste wie sie auf der Straße rumdüsten, obwohl ich doch viel schöner bin.

  Es kommt wie es kommen musste, das Tor geht wieder auf, und es steht so ein grauer Lockenkopf vor mir, und begutachtet mich wieder. Dabei strahlt über beide Wangen. Was mir jetzt nicht so gut gefiel, das er mich auf einen zügigen Anhänger schnallt, und von Siegen nach Mönchengladbach fährt. Und das im November. Da soll ich keine Gänsehaut bekommen, ich bin eine Schwalbe, und an Wärme gewöhnt.

  Wieder endet die Fahrt in einer Garage, leider ohne Fenster. Aber immerhin mit einer Nachbarin, die Suzie heißt. Allerdings ist ihr deutsch mit einem japanischem Dialekt verfremdet.

  Eigentlich habe ich gedacht, das ich nun langsam meinen Ruhestand verdient habe, aber was will der Kalle von mir.

  Ich soll Touren mit ihm unternehmen? Von Pontius nach Pilatus fahren? Ja, ist der verrückt!

Ich bin im Rentenalter!

  Obwohl ich beim Horst immer schön gelaufen bin lass ich auf der ersten Probefahrt von Kalle meine Schwimmernadel mal so ein bisschen festsitzen. Schwitzend schiebt er mich wieder in die Garage. :) Dann geht er doch kurzerhand hin, und baut mir einen neuen Vergaser ein. Kann aber den Leerlauf nicht vernünftig einstellen, der doof. Trotzdem unternimmt er seine erste Ausfahrt mit mir. Zum Feuerwehrmuseum nach Erkelenz. Obwohl, so richtig will ich nicht, weil ich einfach keinen Zündfunken springen lassen will. Erst nach vielen Kicks habe ich dann doch Mitleid mit ihm, und wir fahren los. Kommen auch wieder zu Hause an.

  Ja gut , so doof ist er auch wieder nicht. Er fährt nämlich nach Neuss zum Swen, der mit seinen zärtlichen Finger meinen Vergaser einstellt, und meine hellen Blinker lobt.

So was braucht Schwalbe.

  Eins muss ich dem Kalle ja lassen: Hartnäckig ist er ja. Trotz das ich manchmal den Zündfunke verweigere, will mit mir weiterfahren. Was ich aber gar nicht leiden kann, wenn er versucht mich anzukicken, sein Schweiß an der Nasenspitze sammelt (was sehr lustig aussieht),und er mich dann Diva nennt. Wie er das denn ausspricht.

Diiiivaa.

  Immerhin lasse ich mich noch herab mit ihm nach Witten zu fahren, was ihm sichtlich Spaß macht. Allerdings danach will ich nicht mehr. Zwar bringe ich ihn noch gut nach Hause, kann ihn ja nicht einfach irgendwo stehen lassen, der findet ja nie nach Hause. Aber danach ist Schluss, es gibt keinen Funken mehr.

 Dann geschehen mehrer Dinge.

Erstens spricht Suzie zu mir:

  „Was willst Du denn eigentlich, jetzt unternimmt schon jemand was mit Dir, dann ist das auch nicht gut.“

Zweitens, GPS, unser Begleiter auf den Touren, meint: Das ich doch froh sein soll wenn sich jemand um mich kümmert, und ich in meinem Alter nicht in der Schrottpresse lande.

  Wenn ich so recht überlege hat der Kalle ja schon einige Sachen unternommen damit es mir gut geht, und ich laufen kann. Also gut, ich gebe ihm noch eine Chance, wenn er es fertig bringt meinen Zündfunken zu beleben werde ich ohne Mucken die nächsten Touren mit ihm unternehmen. Außerdem habe ich einen Vorteil gegenüber Suzie. Sie muss immer raus, ich nur bei Sonnenschein. Bei Schwalbenwetter wie Kalle sagt.

  Ja, dann kommt er in die Garage, baut mir neue Lampen ein, eine neue Hupe (obwohl ich finde den klang der alten schöner) und vor allem eine neue Zündanlage. 12 Volt wie er meint. Das muss wohl was besonderes sein, weil ich fühle mich wie neu geboren. Ich springe an wie in jungen Jahren, und total Happy.

 

Schwalbe im dritten Frühling.

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